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Vereinsgeschichte

Über 30-jährige erfolgreiche Arbeit für die Bevölkerung in Liesborn

Heimatverein Liesborn e.V.  (1985 bis 2017)
Wilhelm Plümpe

Der Liesborner Heimatverein kann auf eine mehr als 30-jährige Geschichte zurück blicken. Aus diesem Anlass sei im nachfolgenden Artikel auf die Entwicklung und die Erfolge des Vereins hingewiesen.

Gründung des ersten Liesborner Heimatvereins

Im Vergleich zu anderen Dörfern und Städten in der Umgebung wurde in Liesborn erst spät ein Heimatverein gegründet. Dies geschah vor rund 30 Jahren. Das heißt aber keineswegs, dass nicht vorher schon eine adäquate Heimatpflege existierte, denn eigentlich gehen die Wurzeln des Heimatvereins viel weiter zurück.
Schon am 11. März 1949 wurde in Liesborn ein Heimatverein gegründet. Dieser Verein mit Stefan Grüter als erstem Vorsitzenden an der Spitze hatte es sich zur Aufgabe gemacht, neben der Heimatpflege vor allem die Integration der in Liesborn lebenden Vertriebenen zu unterstützen. Später bildeten die nach 1950 neu organisierten oder neu gegründeten Schützenvereine eigene „Heimatabteilungen“ und benannten auch Beauftragte für diese Aufgabe. Damit hatte der erste Heimatverein seine Bestimmung erfüllt und geriet in Vergessenheit.
Als Beispiel für die erfolgreiche Arbeit der Heimatabteilungen der Schützenvereine darf die Tatsache gelten, dass die Vorstände immer sehr genau darauf achteten, dass den ersten Hofstaaten, den Vorständen und den Offizieren möglichst viele Vertriebene angehörten. Das Konzept ging auf. Die gesellschaftliche Integration verlief relativ schnell. Ein großes Lob ist in dieser Beziehung aber auch den Kirchen und allen Vereinen auszusprechen. Sie sind in den 1950-er und 1960-er Jahren ihrer Verantwortung gerecht geworden und haben Vertriebenen wie Einheimischen eine neue Heimat in Liesborn geboten. Damit haben sie eine große gesellschaftliche Leistung vollbracht.

Vorgeschichte zur Neugründung

Ein weiterer Grund, warum der heutige Liesborner Heimatverein so jung ist, liegt darin begründet, dass die gewählten Vertreter des Gemeinderates der ehemaligen selbstständigen Gemeinde Liesborn bis 1975 nur ihrer Dorfgemeinschaft verpflichtet waren. Und hier waren immer Menschen am Werke, die sich mit großer Leidenschaft um das Dorf und seine Entwicklung gekümmert haben. Als ein Beispiel engagierter Arbeit darf die große Jubiläumsausstellung zur 500-Jahrfeier der Weihe des Liesborner Altares im Jahre 1965 angesehen werden, die letztlich zur Gründung des Museums „Abtei Liesborn“ geführt hat.
Doch mit der Kommunalreform von 1975 hatten sich die Verhältnisse geändert. In dieser nun viel größer gewordenen Gemeinschaft drohten einzelne Interessen der Dörfer zu Gunsten der Großgemeinde unterzugehen. Der Landesentwicklungsplan sah von vorn herein vor, einen Ortsteil der neuen Gemeinde zur multifunktionalen und dominanten Mitte auszubauen und die anderen Ortsteile auf diese Mitte auszurichten.
Diese Praxis führte in der Gemeinde Wadersloh einerseits zu einer respektablen, schlagkräftigen und modernen Gemeindeverwaltung, einer sehr guten Infrastruktur auf Ebene der Schulen und der Geschäftswelt, andererseits aber auch unweigerlich zum Identitätsverlust der Bewohner der einzelnen Dorfgemeinschaften und dem Namensverlust der eingemeindeten Dörfer. Diese Entwicklung galt es aufzuhalten.
Ein weiteres Argument für die Gründung eines selbstständigen Heimatvereins war im Wettbewerb, „Unser Dorf soll schöner werden“ zu finden.
Gründungsmitglied und Mitinitiator des Heimatvereins Paul Grothues, seinerzeit Mitglied im Kreistag des Kreises Warendorf und Vorsitzender der Wettbewerbskommission, hatte die Erfahrung gemacht, dass gerade dieser Wettbewerb in vielen kleineren Dörfern in der Umgebung zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität für seine Bürgerinnen und Bürger geführt hatte. Ein solcher Wettbewerb bedurfte allerdings eines schlagkräftigen Vereins, so wie es die bereits gegründeten Heimatvereine in der Umgebung waren.

Gründung des Heimatvereins Liesborn e.V. im Jahre 1985

Unter der Federführung des Liesborner Schützenvereins kamen am 27. September 1985 insgesamt 55 Personen, unter ihnen zahlreiche Vertreter der örtlichen Vereine und Parteien sowie weiterer einflussreicher Persönlichkeiten im Liesborner Klosterhof zusammen und gründeten den unabhängigen und selbstständigen „Heimatverein Liesborn e.V.“. 47 Personen traten noch am gleichen Abend diesem neuen Verein bei.
Zur ersten Vorsitzenden wurde Hedwig Diers gewählt. Sie war für diese Aufgabe auf Grund ihres hohen Ansehens in der Bevölkerung und wegen ihrer weiteren Ämter (Vorsitzende der Landfrauen auf Orts- und Kreisebene, Schöffin, Herausgeberin von verschiedenen Handarbeitsbüchern usw.) besonders prädestiniert. Mit ihr wurde im Übrigen zum ersten Mal im Kreis Warendorf ein Heimatverein von einer Frau geführt.
Zusammen mit ihrem stellvertretenden Vorsitzenden Gottfried Hermeyer und dem gesamten Vorstand entwickelte sie eine Vereinskonzeption, an der sich bis heute alle nachfolgenden Vorstände orientieren. Diese beinhaltet, dass der Heimatverein die vielfältigen, heimatlichen Interessen der Liesborner Bevölkerung bündelt und stärker in den Vordergrund rücken soll. Er sollte sowohl als unabhängiger Interessensvertreter seines Ortsteils bei der Gemeinde Wadersloh wie auch als eine Art Förderverein für Liesborn fungieren. Keineswegs sollte er mit seinem Engagement aber in Konkurrenz zu bestehenden Aktivitäten anderer Liesborner Vereine treten.

Konzeption

Folgende Aufgabenfelder wurden im Laufe der Zeit vom Heimatverein entwickelt:

  • Förderung der Heimatpflege / Stärkung der Liesborner Identität
  • Einsatz für die Beibehaltung des Dorfnamens „Liesborn“
  • Aufarbeitung der Heimatgeschichte
  • Denkmalpflege
  • Naturschutz und Umweltpflege
  • Verbesserung der dörflichen Infrastruktur
  • Verbesserung der Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger
  • Durchführung von Exkursionen mit heimatkundlichen Aspekten
  • Organisation von Vorträgen und anderen Veranstaltungen mit heimatkundlichen Bezügen
  • Organisation von Heimatfesten
  • Zusammenarbeit mit dem Museum Abtei Liesborn und anderen Institutionen
  • mit dem Rat und der Verwaltung der Gemeinde Wadersloh
  • mit den örtlichen Vereinen und mit den Heimatvereinen der Nachbargemeinden
  • sowie mit dem Kreisheimatverein Beckum-Warendorf und dem westfälischen Heimatbund

Aktivitäten von 1985 bis 1991

Zu den ersten Aktivitäten des neu gegründeten Heimatvereins Liesborn e.V. unter der Leitung von Hedwig Diers gehörte u.a. die Gründung der Liesborner Trachtengruppe. Etwa 20 Frauen und Männer fertigten nach dem Muster der historischen münsterländischen Sonntagstracht zum Teil selbst Trachten mit den typischen Goldhauben an. Zu besonderen Festtagen und Veranstaltungen, auch überregional, präsentiert sich diese Gruppe bis heute mit ihren schmucken Trachten.
Jährlich fanden Vorgartenwettbewerbe statt, die viele Anwohner animierten, ihre Gärten optisch ansprechend und naturnah zu gestalten. Wegekreuze und Hausinschriften wurden kartiert. Auch die äußere Restaurierung der alten Friedhofskapelle geht auf die Initiative von Hedwig Diers und Gottfried Hermeyer zurück. Diese Kapelle war im Laufe der Jahre verfallen und wurde vom Heimatverein ab 1989 liebevoll restauriert.

Aktivitäten von 1991 bis 1998

Mit Rücksicht auf ihre Gesundheit musste Hedwig Diers sich auf der Jahreshauptversammlung 1991 aus der Vorstandsarbeit zurückziehen. Zu ihrem Nachfolger wählte die Versammlung Bernhard Kemper. Auch er genoss als Liesborner Unternehmer hohes Ansehen. Außerdem war er bereits in vielen Vorständen ehrenamtlich tätig. So war er fast 20 Jahre Vorsitzender des Liesborner Schützenvereins. Er lenkte die Geschicke des Heimatvereins bis 1998.
In seine Amtszeit fallen unter anderem die innere Ausgestaltung der Christophorus-Kapelle und ihre Einweihung am Allerheiligentag 1992. Heute dient diese Kapelle als Mahn- und Gedenkstätte für inzwischen 33 Liesborner Verkehrsopfer. Eine große Herausforderung war die Herausgabe des großen Liesborner Heimatbuches „Liesborner Spuren“, das 1998 der Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte. Auch die Geburtsstunde der Liesborner Geschichtshefte fällt in seine Ägide.

Aktivitäten von 1998 bis 2017

Ab 1998 führt Wilhelm Plümpe als Vorsitzender, zusammen mit seinem Stellvertreter Ekkehard Schulze Waltrup und einem jungen, engagierten Vorstandsteam den Verein.
In diese Amtszeit fiel die Anerkennung Liesborns als Golddorf. Nachdem beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ 1996 die Bemühungen noch mit Bronze und 1999 mit Silber honoriert wurden, erreichte man 2002 nach der achten Teilnahme unter der Federführung des Heimatvereins endlich Gold.
Auch die Anlage eines großen Biotops in Ortsnähe und die Anpflanzung eines Baumlehrpfades sowie vieler hundert Bäume und Sträucher fällt in diese Amtszeit. Diese Bemühungen wurden im Jahre 2004 mit dem zweiten Platz beim Umweltpreis des Kreises Warendorf bedacht.
Ein weiterer Aufgabenschwerpunkt war seit 2002 die Erarbeitung von Leitlinien zur Dorfentwicklung Liesborns. Im so genannten „Liesborner Zukunftsforum“ wurden unter der Regie der Gemeinde Wadersloh und des Heimatvereins Visionen für ein wettbewerbsfähiges Liesborn mit einer hohen Lebensqualität für seine Bürgerinnen und Bürger entwickelt. Dieser Prozess hält bis heute an. Herausragende Ergebnisse sind die Neugestaltungen des “Pastors Gartens“ sowie des „Abteiplatzes“, die 2014 und 2016 realisiert wurden.
Im Jahre 2006 konnte die Gruppe „ü60“ ins Leben gerufen werden. Hier handelt es sich um eine Gruppe rüstiger Rentner, die ehrenamtlich zahlreiche Aufgaben im öffentlichen Raum wie z.B. Spazierwege in Ordnung halten, Hecken scheren und Bänke reparieren usw. erledigen. Seit 2008 organisiert der Heimatverein regelmäßig eine Müllsammelaktion auf Gemeindeebene.
Seit 2010 wurde auf Initiative des Heimatvereins und der Mitwirkung verschiedener Liesborner Vereine sowie der Gemeinde Wadersloh das „Liesborner-Open-Air-Kino im Kreuzgang“ ins Leben gerufen, bei dem jeweils an einem Abend Ende August ein besonderer Film im Schatten der Abtei gezeigt wird.
Große Highlights waren die international besetzten und hochklassigen Konzerte mit Justus Frantz, Giora Feidman und Ludwig Güttler, die u.a. vom Heimatverein in der Abteikirche mitveranstaltet wurden.
Um auch mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten mithalten zu können, wurde ein Internetauftritt initiiert. Unter www.liesborn.net oder www.heimatverein-liesborn.de können umfangreiche Informationen über das Dorf oder den Heimatverein weltweit abgerufen werden.

Mitgliederzahlen / finanzielles Engagement

Die Mitgliederzahl des Heimatvereins Liesborn e.V. konnte im Laufe der Jahre kontinuierlich gesteigert werden. Heute sind es ca. 200 Mitglieder, zu denen auch etliche Vereine und die in der Gemeinde vertretenen Parteien gehören. Der Mitgliedsbeitrag lag ursprünglich bei 10,00 DM und ist bei der Umstellung auf den Euro mit 5,00 € sogar leicht abgesenkt worden.
Seit Bestehen des Heimatvereins hat sich der Verein mit sicher mehr als 350.000 € aus eigenen Mitteln, aus Spenden aber auch aus beantragten öffentlichen Geldern an der Verbesserung der Lebensqualität Liesborns beteiligt. Ohne dieses Engagement, hinter dem viele Menschen stehen, wäre das Liesedorf um einiges ärmer.

Ehrenmitglieder

Von Anfang an haben sich die Mitglieder des Heimatvereins, vor allem die jeweiligen Vorstände, ihrem selbst gewählten Aufgabenkatalog verschrieben und diesen mit viel Kreativität mit Leben gefüllt. Besonders zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang die inzwischen verstorbenen Mitglieder Hedwig Diers (Vorsitzende 1985 – 1991), Gottfried Hermeyer (stellvertr. Vorsitzender 1985 – 1993) und Bernhard Kemper (Vorsitzender 1991 – 1998). Sie haben mit ihren Visionen und der Fähigkeit, Menschen für ihre Ideen zu gewinnen, einen maßgeblichen Anteil am heutigen Erscheinungsbild des Heimatvereins.
Für ihre besonderen Verdienste wurden alle drei mit der Ernennung zu Ehrenmitgliedern geehrt. Als bislang viertes Ehrenmitglied wurde 2007 Else Hermeyer (Leiterin der Trachtengruppe 1991 – 2007) ernannt.

Es ist nicht verwunderlich, dass sich der Heimatverein Liesborn e.V. durch die vielfältigen Aufgabenbereiche und Aktivitäten im Laufe seines mehr als 30-jährigen Bestehens ein gutes Ansehen in der Bevölkerung erworben hat.